Krise in der Schifffahrt: Kluge Köpfe für die Digitalisierung

 
Die Krise als Chance verstehen – das war das Fazit der BdP-Veranstaltung „Krise als Normalzustand - Herausforderung für die Kommunikation in der Schifffahrtindustrie“ bei Hapag Lloyd am 4. Mai 2017. „Die durch Überkapazitäten und starkem internationalen Wettbewerb bedingte Krise hält die Containerschifffahrt und Schiffsfinanzierer seit 2009 in Griff“, so Christof Schwaner, Director Communications & Digitalisation vom Verband Deutscher Reeder, in seinem Impuls zu Ursachen und Folgen der Krise. Reedereien fusionieren, Banken stellen kaum noch Kapital bereit und viele Schiffe mussten bereits Insolvenz anmelden.
 
Welche Auswirkung hat die „unendliche Krise der Schifffahrt“ (Hamburger Abendblatt, Februar 2016) auf die Mitarbeiter? Darum ging es in der Paneldiskussion mit Nils Haupt, Senior Director Communications bei Hapag-Lloyd, Stefanie Rother, Head of Corporate Communications, E.R. Schiffahrt GmbH & Cie. KG, und Christof Schwaner. Moderiert wurde die Diskussion von Claudia Wagner, Interim Managerin und Gründerin der auf Change und Krisenmanagement spezialisierten Agentur wagner international communications.
 
Hapag-Lloyd setzt auf Face-to-face Kommunikation: „Wir haben verschiedene Formate in Deutschland, wie „Frühstück mit dem CEO“, „Lunch mit Top-Management“ oder „Book a boardmember“. „Diese kommen sehr gut an, weil die Mitarbeiter Fragen stellen können und die Formate so die Transparenz und den Dialog fördern“, fasst Nils Haupt zusammen. „Unser CEO Rolf Habben Jansen fördert und schätzt die direkte Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Derzeit denkt Hapag Lloyd, das am 24. Mai mit der arabischen United Arab Shipping Company (UASC) fusioniert hat, intensiv über eine Ausweitung dieser Dialoginstrumente mit der internationalen Belegschaft nach. Auch bei E.R. gibt es neben einem CEO Lunch, der innerhalb von 24 Stunden ausgebucht ist, die „Question Time“ mit der Geschäftsführung. Die schwer zu erreichenden Seeleute werden mit einem neuem digitalen Medium, dem Crewsletter, abgeholt.
 
Der Gedanke, ein – vermeintlich – „sinkendes Schiff“ zu verlassen, kommt besonders bei den am Markt gefragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schnell auf. Was können die Reeder tun, um die Talente an ihre Firmen zu binden? „Natürlich ist es wichtig, die Besten im Unternehmen zu halten“, bestätigt Stefanie Rother. „Es ist aber ebenso wichtig, kluge Köpfe in das Unternehmen zu holen, die die Veränderung mit neuen Ideen vorantreiben.“ Das Unternehmen E.R. Schifffahrt hat in den vergangenen Jahren die Transformation vom Bereederer der von der Unternehmensgruppe finanzierten Schiffe zum international wettbewerbsfähigen Ship Manager mit über 50% Drittkunden geschafft.
 
Insbesondere für die Digitalisierung sind frische Ideen gefragt. Und diese stoppen nicht bei der Einführung digitaler Kommunikationsmedien zum schnelleren Austausch von Wissen und innovativen Ideen. E.R. Schifffahrt hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Intranet aufgerufen, Vorschläge einzureichen. Das „Innovation Forum“ wird von einem Mitarbeiter koordiniert, der monatlich mit der Geschäftsführung die Umsetzung einzelner Ideen diskutiert.
 
Darüber hinaus bergen die Daten von Schiffen und Flotten einen relevanten Erfolgsfaktor, war sich das Panel einig. Das Monitoring von Schiffen und die Verbesserung der Flotteneffizienz wird zu einem Wettbewerbsvorteil, der hilft, sich in der Krise zu behaupten, bestätigt auch Christof Schwaner. Bei Hapag-Lloyd gibt es ein Fleet Support Center, das voll auf Big Data setzt. Das Center überwacht und optimiert den Betrieb der rund 230 eigenen und gecharterten Schiffe des Unternehmens – pro Jahr können dadurch Treibstoffkosten in zweistelliger Millionenhöhe eingespart werden. Die Teilnehmer der Paneldiskussion konnten gemeinsam mit Kapitän Axel Werth an den großen Bildschirmen Alternativrouten im Hinblick auf Wetter, Verbrauch und Schnelligkeit mitbewerten. Der Abend bot neben einer von hoher Offenheit geprägten Diskussion „einen kurzweiligen, hochspannenden und impulsreichen Einblick in eine für mich bislang unentdeckte Branche“, so das positive Feedback eine der über 30 Teilnehmer.
 
Foto: Diskutierten über die Rolle und Herausforderungen der Kommunikation in der langjährigen Schifffahrtskrise (v.l.): Claudia Wagner, Interim Managerin, wagner international communications, Nils Haupt, Senior Director Communications bei Hapag-Lloyd, Stefanie Rother, Head of Corporate Communications, E.R. Schiffahrt GmbH & Cie. KG, und Christof Schwaner, Director Communications & Digitalisation vom Verband Deutscher Reeder. (c) Christian Denso, Hapag Lloyd.
Text: Claudia Wagner