Besuch der Nürnberger Nachrichten: Herausforderungen der Digitalisierung

02. Februar 2018

Weihnachtsevent der Landesgruppe Bayern
 
 „Tageszeitungen müssen sich Ihrer Markenstärke bewusst werden“ - Nürnberger Nachrichten-Chefredakteur Michael Husarek referierte über Herausforderungen der Digitalisierung in einer regionalen Tageszeitung
 
Auf dem festlich beleuchteten Christkindlesmarkt startete die Landesgruppe Bayern ihr traditionelles Weihnachtsevent am 11. Dezember 2017. Bei einem Glühwein lernten sich neue und alte BdP-Mitglieder kennen und die Gruppe kehrte danach auf ein Abendessen im Wirtshaus Hütt’n ein. Auch ein besonderer Gast war der Einladung des Landessprechers Andreas Fischer, Leiter Presse & Public Relations der DATEV eG, gefolgt: Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten.
 
Er referierte über die Herausforderungen der Digitalisierung, der sich auch die fränkische NN in zunehmenden Maße stellen muss. Welche Funktion kommt einer regionalen Tageszeitung im digitalen Zeitalter zu? Wie muss sich ein Verlagshaus anpassen? Michael Husarek hat Leserverhalten und -Anforderungen kritisch beleuchtet und dabei auch Denkanstöße für die PR-Arbeit gegeben. In einer Zeit, in der Neuigkeiten aus der ganzen Welt mit einem Klick über verschiedenste Portale zu erreichen sind, brauche es kein Blatt mehr, das diese zusätzlich und zudem verspätet abbilde. Klare Stärke der Nürnberger Nachrichten sei daher die Regionalität: Was vor der eigenen Haustüre abläuft, bilde in gesammelter Form nur ein regionales Medium ab, das Modell der allumfassenden Tageszeitung würde obsolet.
 
In diesem Sinne könne laut Husarek auch eine nutzerspezifische Ausdifferenzierung in verschiedene Medien eine Lösung zur Akquirierung höherer Leserzahlen sein: Wer interessiert sich für was genau? Diese Personalisierung der Inhalte könne man durch die Nutzung von Tracking-Tools erreichen, die es ermöglichen, jedem Nutzer nur jene Artikel auszuspielen, die seinem Interessenprofil entsprechen. Datenerfassung und -Nutzung würden somit auch unter Medienschaffenden unabkömmlich, seien aber wegen rechtlicher Hürden viel schwerer zu erreichen als in der freien Wirtschaft.
 
Husarek wies außerdem darauf hin, dass sich Zeitungsverlage auch deutlicher ihrer Markenstärke bewusstwerden müssten. Die Zeitungstitel sind in ihren Verbreitungsgebieten sehr bekannt, für viele gelten die Häuser als vertrauenswürdige Institutionen. Auf dem Bekanntheitsgrad ließe sich gut aufbauen, um neue Formate oder auch einzelne Produkte an die Leser zu bringen. Die Zukunft der Tageszeitungen und ihren Verlagshäusern ist für Husarek also weniger eine Frage nach dem Ob, sondern dem Wie.
 
Nach dem selbstkritischen Vortrag gab es noch eine angeregte Fragerunde an Michael Husarek. Auf die Frage hin, was er sich von PRlern im Umgang mit Journalisten besonders im Angesicht der Zukunft wünsche, lautete Husareks ganz klare Antwort: „Ehrlichkeit“.
 
Text: Erika Lehn, YPN