VDI/BdP: Gemeinsame Erklärung: Technische Großprojekte und Akzeptanz

Die mangelnde Akzeptanz von großen Industrie- und Infrastrukturprojekten wird zu einem wachsenden Problem nicht nur für die Energiewende, die Erneuerung und den Ausbau der Infrastruktur sowie für neue Fabriken, sondern auch für die konkrete Arbeit von Ingenieuren und Kommunikatoren. Sie müssen unter schwierigen Umfeldbedingungen komplexe Projekte planen und kommunizieren.
 
Um eine Eskalation von Konflikten schon im Vorfeld zu verhindern und Risiken für die Realisierung von Projekten abzuwenden, hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die Richtlinie VDI 7000 entwickelt. Sie richtet sich nicht nur an Ingenieure, sondern auch an Kommunikatoren. Ein ganzheitliches Konzept einer Integration von Dialog und Kommunikation bereits in der Projektentwicklungsphase ist nur gemeinsam umsetzbar. Um eine gesellschaftlich tragfähige Antragsvariante zu erarbeiten, bedarf es einer eingespielten Arbeitsteilung beider Professionen.
 
Der Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) begrüßt die Initiative des VDI zur Erstellung der VDI 7000 ausdrücklich.  Der BdP bewertet die VDI-Richtlinie als sehr gutes Orientierungswerk nicht nur für Ingenieure, sondern auch für Kommunikatoren. Die Richtlinie ist insofern wegweisend, als dass sie einen Prozess definiert, in dem von Anfang an zwingend und notwendigerweise vier Kompetenzen – Technik, Kommunikation, sowie Recht und Finanzen – gebündelt werden und deshalb auch Kommunikatoren eine tragende Funktion haben müssen.
 
Die Richtlinie bringt die technisch-prozessuale und die kommunikativ-prozessuale Perspektive gut in einen gemeinsam zu stemmenden Prozess zusammen und strukturiert diesen klar in vier Phasen. Sie schlägt eine fundierte Akteurs-Analyse vor und bietet dafür ein vollständiges Stakeholder-Netz zur Auswahl an. Und sie präsentiert das Thema als Leitfaden für Praktiker so, dass Vorlagen, Checklisten und Prüffragen an den Einzelfall angelegt zugeschnitten werden können.
Der VDI und der BdP sehen zur Umsetzung der VDI 7000 in die Praxis von Unternehmen und Vorhabenträgern die folgenden fünf Punkte als wesentlich an:
 

  1. Gegenseitige Wertschätzung: Technische Planung und Unternehmenskommunikation müssen immer mehr zusammenwachsen. Dennoch sind sie in der Praxis häufig völlig unterschiedlichen Erfolgskriterien unterworfen. Die gegenseitige Anerkennung, Wertschätzung und das Verständnis für die „Welt des anderen“ und dessen Expertenwissen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.

 

  1. Wechselseitige Hilfestellung: Ingenieure und Kommunikatoren sind auf gegenseitige Hilfestellung bei der Erfüllung ihrer beruflichen Anforderungen angewiesen. Ingenieure brauchen heute mehr Kommunikationskompetenz, die weit über Medientraining und den Umgang mit der Presse hinausgeht. Kommunikatoren benötigen mehr Verständnis für das technische Projektmanagement und die sich daraus ergebenden Zwänge und Chancen. Sie brauchen glaubwürdige technische Experten für gute Kommunikationsarbeit.

 

  1. Konzeptionelle Fundierung der Zusammenarbeit: Eine individuelle Umsetzung von früher Öffentlichkeitsbeteiligung bedarf einer ausreichenden konzeptionellen Fundierung. Ingenieure und Kommunikatoren müssen daher ihre unterschiedlichen Kompetenzen nicht nur in der Alltagspraxis, sondern bereits in der Strategiefindung für neue Projekte zusammenführen. Das bedarf zu Beginn höherer Anstrengungen, führt aber zu erfolgreicherer Umsetzung in der Praxis.

 

  1. Veränderung der Projektorganisation: Um frühe Öffentlichkeitsbeteiligung effizient durchführen zu können, ist eine angepasste Projektorganisation sinnvoll. Ingenieure und Kommunikatoren setzen sich gemeinsam dafür ein, die Projektorganisation interdisziplinär so aufzustellen, dass eine Integration von technischer Projektentwicklung und Kommunikation  besser möglich wird. Die VDI 7000 kann dabei sinnvoll helfen.

 

  1. Gemeinsame Reflexion: Die Bereitschaft, sich auf neue und unvorhergesehene Situationen einlassen zu können und sie als Lernerfahrungen zu verstehen, ist für den Erfolg wichtig. Dazu gehören auch die gemeinsame Reflexion und die notwendige Weiterbildung.

 
Düsseldorf und Berlin, im September 2014
 
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ralph Appel                                     
Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied         
VDI Verein Deutscher Ingenieure                                    
 
Dr. Jörg Schillinger
Präsident        
Bundesverband deutscher Pressesprecher