"Wir sind die good guys!" Landesgruppe Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland bei der Frankfurter Feuerwehr

02.11.2015

"Die Frankfurter Feuerwehr gehört mit rund 120.000 Einsätzen im Jahr zu den 'Big 5' in Deutschland. In 90 Prozent der Fälle sind es medizinische Rettungseinsätze, der Rest jeweils zur Hälfte Brandeinsätze bzw. technische Hilfeleistungen." Mit diesen beeindruckenden Zahlen eröffnete Dipl.-Ing. und Brandoberrat Markus Röck am 22. Oktober 2015 die Veranstaltung für die BdP-Landesgruppe Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland. Rund 30 Mitglieder erlebten einen aufregenden Abend, bei dem sie tiefe Einblicke in die Organisation und die mit den Einsätzen verbundenen Herausforderungen in der Kommunikation erhielten.

Markus Röck leitet die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr Frankfurt am Main. Alle neun dort tätigen Pressesprecher sind ausgebildete Feuerwehrleute und stehen Journalisten im Einsatz 24 Stunden und sieben Tage die Woche zur Verfügung. "Wir müssen halt zu den Geschäftszeiten Auskunft geben", kommentierte Röck gut gelaunt die permanente Verfügbarkeit. Niemand im Presseteam, so Röck, verfüge über eine klassische Kommunikations- oder Journalistenausbildung. Alle hätten sich "on the job" qualifiziert. Für die Medienarbeit wirke sich positiv aus, dass die Feuerwehr neutral sei und helfe. "Wir sind die good guys!"

Plastisch schilderte er, wie selbstverständlich sein Team mittlerweile Social Media Kanäle für die Kommunikation einsetze. Mit Youtube-Filmen will man den Nachwuchs ansprechen (https://youtu.be/6rIftNDrZ_M). Ideal im Einsatz sei Twitter. "Damit", so Röck, "können wir operativ in der Lage Einfluss nehmen." Bei den gewalttätigen Ausschreitungen rund um die Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB) im März 2015 habe man mit Twitter in Echtzeit auch mit Demonstranten kommuniziert. "Rettungskräfte sind neutral", betonte der Leiter der Stabsstelle – und mit dieser Haltung habe man unter anderem erreicht, dass die Angriffe auf die Feuerwehr gestoppt wurden. Twitter sei mittlerweile Alltagsgeschäft. "Zu jedem nennenswerten Einsatz gibt´s nen Tweet", sagte der Brandoberrat und bittet die Pressevertreter verschmitzt um Verständnis: "Prosa formulieren im Einsatz geht aber nicht!"

Ausgesprochen engagiert berichtete Röck vom Einsatz der Frankfurter Feuerwehr am Hauptbahnhof, als sie für die Stadt Frankfurt Erstversorgung und Unterbringung von tausenden ankommenden Flüchtlingen organisiert haben. "Flüchtlinge sind erst mal Reisende wie alle anderen." Tief beeindruckt hätten sie die unzähligen Spontanhelfer, die seit Anfang September rund um die Uhr bis zur Erschöpfung mitgeholfen hätten, Flüchtlinge zu versorgen: "Das Engagement war bemerkenswert, es zählte bei den Helfern weder Religion noch Politik." Bescheiden fasste er die Leistung der Feuerwehr zusammen: "Wir als Feuerwehr gehen vor Ort und koordinieren." Die Feuerwehr brachte ihre exzellente Planungs- und Logistikexpertise ein und kümmerte sich vor allem um Services wie die Versorgung. Die Bahn hatte Hausrecht und konnte Platzverweise aussprechen. "Wir wollten Bilder vermeiden", so Röck, "dass Menschen am Gleis schlafen müssen."

Zur Koordination zählte, die freiwilligen Spontanhelfer zu organisieren. Auch Grundsatzdiskussionen unter Helfern habe man moderiert – so habe es zum Beispiel Meinungsverschiedenheiten gegeben, ob man auch Obdachlose und Drogenabhängige mitversorgen solle. Die Feuerwehr, so der Brandoberrat, hatte eine Moderationsrolle inne, die für sie neu war: "Bei uns ist jeder Befehl durchdekliniert. Wie man mit Spontanhelfern im Umgang mit Flüchtlingen umgeht, "das haben wir in unserer Ausbildung nicht gelernt." Beim Oder-Hochwasser etwa seien die Aufgaben für die Spontanhelfer einfach gewesen; damals ging es lediglich darum, Sandsäcke von Hand zu Hand weiterzureichen, um Dämme zu bauen oder zu sichern. Jetzt aber hätten es Spontanhelfer wie auch Feuerwehrleute mit Menschen zu tun gehabt, die nicht einfach das Ziel einer langen Reise erreicht hätten, sondern viel Leid erfahren und in großer Not ihre Heimat verlassen hätten. Viele seien krank gewesen. Unterschiedliche Kulturen, Religionen und Sprachen hätten die Komplexität erhöht – hierauf sei niemand, auch nicht die Feuerwehr, vorbereitet gewesen. "Wir waren froh über die unzähligen Spontanhelfer mit Migrationshintergrund, wir haben diesen ehrenamtlichen Dolmetscher-Service schätzen gelernt!" Neu war für die Feuerwehr, in diese Gruppen per WhatsApp zu kommunizieren.

Höhepunkt des BdP-Abends war die Besichtigung des FRTC (Feuerwehr & RettungsTrainings Center), wo alle Einsätze – von der Geburt im Rettungswagen, einem Brand im Hochhaus oder der Evakuierung einer unterirdischen U-Bahnstation - unter realen Bedingungen regelmäßig simuliert werden. Abgerundet wurde der Besuch mit einer Besichtigung der zentralen Leitstelle, wo alle Notrufe eingehen. Von der Auslösung des Alarms bis zur Abfahrt der Fahrzeuge dürfen nur 60 Sekunden vergehen. Was die BdP-Mitglieder dann hautnah und live miterleben konnten.

Angelika Werner, Mitglied im Vorstand der Landesgruppe, dankte Markus Röck und Rainer Heisterkamp für die ausgezeichnete Vorbereitung dieses sehr beeindruckenden Abends. "Wir haben viel gelernt und sind berührt, mit welchem persönlichen Engagement die Feuerwehr ihren Dienst für uns alle ausübt. Vielen Dank für Ihre Zeit und für den tiefen Einblick in Ihre ausgesprochen komplexe Arbeit!"

Rund um die Feuerwehr Frankfurt am Main:
- In Frankfurt arbeiten 1.000 Feuerwehrleute bei der Berufsfeuerwehr, davon sind knapp 20 Frauen; hinzukommen 800 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren und 800 bei den Jugendfeuerwehren. Der Frankfurter Flughafen hat eine eigene Feuerwehr, deren Mitarbeiter und Einsätze nicht in den o.g. Zahlen enthalten sind.
- Die Frankfurter Feuerwehr fährt zu zirka 120.000 Einsätze im Jahr, 6.000 davon sind Brandeinsätze. Sie leistet überwiegend technische und medizinische Hilfe und arbeitet bei den Rettungsdiensteinsätzen  mit den Hilfsorganisationen ASB, DRK, MHD und JUH  eng zusammen.
- Auch der vorbeugende Brandschutz ist eine Aufgabe der Feuerwehr, sie begleitet Bauanträge und Bauprojekte und stellt den Brandschutz von Anfang an sicher.
- Die Frankfurter Feuerwehr nutzt Social Media Kanäle wie Twitter, Facebook und Youtube zur Kommunikation. (https://www.youtube.com/user/FeuerwehrFrankfurtaM) Einige  Videos von den Einsätzen und Übungen drehen und schneiden die Feuerwehrleute selbst.
 
Fotos: Ralf Werner (openeyeffm.de)